Ich hab noch nie über Grenzen nachgedacht. Nicht weil ich sie bewusst abgeschafft hätte. Sondern weil sie nie da waren. So weit ich zurückdenken kann, bis in die Grundschule, war ich der Mensch, der alles gibt. Nicht aus Unterwürfigkeit, nicht aus Schwäche, nicht weil ich mir nichts anderes zugetraut hätte. Sondern weil ich sehe, was ein Mensch sich wünscht, und es Wirklichkeit werden lassen will. Sofort. Vollständig. Ohne Verhandlung.

Das ist kein Verdienst. Das ist mein Zustand.

Ich hab noch nie über Grenzen nachgedacht. Nicht weil ich sie abgeschafft hätte. Sondern weil sie nie da waren.

Ich habe nie die Phase gekannt, von der alle sprechen. Dieses Verliebtsein am Anfang, das sich langsam abschwächt, das weniger wird, alltäglicher, ruhiger. Bei mir war es immer umgekehrt. Es wird mehr. Es wird tiefer. Es wird dringlicher. Nicht weil ich bedürftig bin, sondern weil ich voll bin. Bis oben hin. Mit Liebe, mit Sehen, mit dem Wunsch, den anderen glücklich zu machen. Und je länger ich mit einem Menschen bin, desto mehr fließt, nicht weniger.

Und genau deshalb trifft es mich so tief, wenn die Antwort darauf eine Grenze ist.

Das passiert selten mit Worten. Kein Mensch sagt „bis hierher und nicht weiter.“ Es ist dieser Moment, der zu lange dauert. Dieses offene Bitten um etwas, bei dem du die Antwort schon weißt, bevor du die Frage zu Ende gesprochen hast. Du spürst es im Körper des anderen. In der Sekunde, in der sich etwas verschließt. In dem Zögern, das keine Denkpause ist, sondern ein Nein, das sich noch nicht traut, laut zu werden.

Man hat mir oft vorgehalten, ich würde nicht sprechen. Aber ich habe immer gesprochen. Nur nie über alles. Ich habe immer nur einen Bruchteil von mir gezeigt. Fünf Prozent. Nicht weil ich nicht wollte, sondern weil ich jedes Mal spürte, wo die Grenze meines Gegenübers liegt. Lange bevor ein Wort fällt. Ein Zögern, das eine Sekunde zu lang dauert. Ein Blick, der kurz ausweicht. Eine Stille, die keine Ruhe ist, sondern Überforderung. Ich habe das immer gelesen, in jeder Beziehung, in jeder Freundschaft, mein ganzes Leben lang. Und ich habe jedes Mal fünfundneunzig Prozent von dem, was ich wirklich bin, was ich fühle, was ich ersehne, in mir behalten. Nicht weil jemand gesagt hätte: Das ist zu viel. Sondern weil ich es im Körper des anderen sehen konnte, bevor er es selbst wusste.

Fünf Prozent. Das hört sich klein an. Aber fünf Prozent reichen, um einem Menschen zu zeigen, dass er nicht gesehen wird. Fünf Prozent reichen, um aus Hingabe ein Gefäß zu machen, das nie voll wird. Fünf Prozent reichen, um das tiefste Liebesbekenntnis zur leeren Formel werden zu lassen.

Ich habe nie verstanden, warum mir ein Mensch sagt, ich liebe dich über alles, aber das, was ich mir wünsche, keine Rolle spielt.

Ich habe nie verstanden, warum mir ein Mensch sagt, ich liebe dich über alles, aber das, was ich mir wünsche, keine Rolle spielt.

Dieser eine Satz beschreibt mein ganzes Beziehungsleben. Nicht: Sie liebt mich nicht. Sondern: Sie sagt, sie liebt mich, und handelt, als wäre ich unsichtbar. Das hat mich zutiefst verunsichert. Mein ganzes Leben lang. Weil ich nicht verstanden habe, wie beides gleichzeitig existieren kann. Wie ein Mensch „alles“ sagen und „nicht das“ meinen kann. Wie Liebe sich anfühlen soll, wenn sie an der Stelle aufhört, an der sie anfangen müsste, wirklich zu zählen.

Für mich ist das ein Ausschlusskriterium von Liebe. Nicht weil ich Perfektion verlange. Sondern weil Liebe, die an der Wahrheit des anderen aufhört, keine Liebe ist, sondern eine Vereinbarung. Und Vereinbarungen interessieren mich nicht.

Was ich ersehne, und immer ersehnt habe, ist ein Mensch, der sieht, was ich mir wünsche, und der es lebt. Nicht aus Pflicht, nicht aus Angst mich zu verlieren, nicht als Kompromiss. Sondern weil es seine eigene Wahrheit ist. Weil er dasselbe fühlt. Weil grenzenlos für ihn kein Risiko ist, sondern Zuhause.

Und grenzenlos heißt grenzenlos. Nicht als Metapher. Nicht als romantische Übertreibung. Ich meine es wörtlich. Ich sehe, was du dir wünschst. Du siehst, was ich mir wünsche. Und solange es unserer Wahrheit entspricht, gibt es kein „zu weit“, kein „zu viel“, kein „das geht nicht.“

Zerstörerisch ist, wenn ich mir nehme, was du nicht möchtest. Grenzenlos ist das vollständige Leben der Wahrheit.

Die meisten Menschen haben Angst vor diesem Satz. Weil sie glauben, grenzenlos bedeute zerstörerisch. Aber das Gegenteil ist wahr. Zerstörerisch ist, wenn ich mir etwas nehme, was du nicht möchtest. Wenn Macht missbraucht wird, damit einer sich besser fühlt. Wenn eine Handlung nicht aus Wahrheit kommt, sondern aus Hunger.

Grenzenlos ist etwas völlig anderes. Grenzenlos bedeutet: Ich achte deine Wahrheit so vollständig, dass ich bereit bin, ihr überallhin zu folgen. Und du achtest meine so vollständig, dass du dasselbe tust. Nicht weil wir müssen. Sondern weil wir nicht anders können. Weil die Wahrheit des anderen zu lieben dasselbe ist wie die eigene zu leben.

Wenn eine Frau vor mir stehen und sagen würde, ich habe Angst, dass ich mich verliere, wenn ich mich so gebe, dann würde ich sagen: Vertrau deinem Körper. Vertraue deiner Seele. Was du tief ersehnst, so tief, dass du es vielleicht noch nie ausgesprochen hast, das lügt nicht. Das ist keine Schwäche und kein Defekt. Das ist die Richtung, in die deine Wahrheit will. Und meine tiefste Überzeugung ist, dass es unser Auftrag ist, diese innerste seelische Wahrheit zu leben. Nicht die Version davon, die andere aushalten können. Die ganze.

Ich habe das mein ganzes Leben mit angezogener Handbremse gemacht. Nicht weil ich geglaubt hätte, sie gehört dazu. Ich wusste immer, dass sie falsch ist. Dass unter ihr alles liegt, was mich ausmacht. Aber ich habe mich hilflos gefühlt, weil das Lösen der Handbremse immer bedeutet hätte, nicht verstanden zu werden. Als unnormal zu gelten. Zu viel zu sein, zu tief, zu anders. Also habe ich geschwiegen und mich reduziert. Vor Partnerinnen, vor Freunden, vor mir selbst. Das mache ich nicht mehr. Nicht aus Trotz und nicht aus Wut. Sondern weil ich es mir wert bin. Weil ich meiner innersten Wahrheit so sehr glaube, dass ich jeden Menschen, der sie begrenzen will, aus meinem Leben lasse. Ohne Groll. Mit der Klarheit eines Menschen, der endlich aufgehört hat, sich zu erklären.

Grenzenlos ist nicht das Ende der Sicherheit. Grenzenlos ist der Anfang davon.

Grenzenlos ist nicht das Ende der Sicherheit. Grenzenlos ist der Anfang davon. Weil erst in der vollständigen Hingabe das Vertrauen entsteht, das alle anderen suchen und nie finden, weil sie es mit angezogener Handbremse versuchen.

Und der Mensch, der das mit mir leben will, wird es nicht tapfer versuchen. Er wird erleichtert sein. Weil er endlich aufhören darf, Grenzen zu ziehen, die er selbst nie wollte.

So fühle ich. So sehe ich. So stehe ich.

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Ich bin Maik Thomas.
Ich schreibe, um ehrlich zu sein – mit mir und mit dir.
Nicht als Coach, nicht als Experte. Sondern als jemand, der seinen Weg geht
und dabei gelernt hat, dass Freiheit innen beginnt.
Meine Texte entstehen nicht aus Theorie,
sondern aus Erfahrung, aus Stille, aus Klarheit.
Wenn etwas in dir schwingt, ist es vielleicht kein Zufall.

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